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Claudia Köhler-Dams: „Der globale Event-Rollout verliert seine Selbstverständlichkeit“

Claudia Köhler-Dams, Corporate Vice President bei VOK DAMS, sieht internationale Eventstrategien im Wandel: Regionale Formate, Flexibilität und strategische Anpassungsfähigkeit gewinnen gegenüber globalen Standardlösungen zunehmend an Bedeutung. © VOK DAMS

Internationale Eventstrategien befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und veränderte Reise- und Teilnahmeverhalten verschieben die Planung von global standardisierten Rollouts hin zu regional differenzierten, flexiblen Modellen. VOK DAMS Corporate Vice President Claudia Köhler-Dams beschreibt im Gespräch, warum das klassische „One-size-fits-all“-Prinzip in der internationalen Eventplanung zunehmend an seine Grenzen stößt – und welche neuen Strukturen sich daraus entwickeln.

Messe & Event: Sie sprechen von einem „strategischen Reset“ internationaler Eventstrukturen. Was verändert sich derzeit grundlegend in der globalen Eventplanung?
Claudia Köhler-Dams: Was sich grundlegend verändert, ist eine deutliche Verschiebung: weg von zentralisierten, global standardisierten Eventstrategien hin zu regional differenzierten Modellen. Das klassische System internationaler Eventplanung, das lange gut funktioniert hat, gerät zunehmend unter Druck. Gründe dafür sind wirtschaftliche Einflüsse, globale Unsicherheiten und verändertes Reise- und Teilnahmeverhalten – viele Faktoren greifen hier ineinander.

Das klassische Modell eines globalen Rollouts scheint an Bedeutung zu verlieren. Welche Ursachen sehen Sie für diesen Bruch?
Die Ursachen liegen in einer Kombination aus politischen Spannungen, der weltpolitischen Lage, Handelskonflikten und kulturellen Unterschieden. Diese Faktoren wirken sich direkt auf Kommunikation und Eventstrategien aus.

Ein Beispiel: Die USA ziehen sich aktuell stärker auf ihren Heimatmarkt zurück und fokussieren weniger internationale Aktivitäten. Darauf müssen Unternehmen reagieren und ihre Strategien entsprechend anpassen.

Welche Regionen gewinnen aktuell besonders an Relevanz für internationale Eventformate?
Wir sehen eine deutliche Verschiebung. Nach einer Phase, in der viele Events in Richtung USA ausgerichtet waren, gewinnen nun asiatische Destinationen stark an Bedeutung – insbesondere Singapur, Tokio und Shanghai. Je nach Branche spielt auch Shenzhen eine wichtige Rolle, vor allem im Technologiebereich.

Gleichzeitig verschieben sich innerhalb Asiens die Schwerpunkte: weniger klassische Zentren wie Peking, dafür stärker stabile, gut erreichbare Standorte wie Singapur und Japan.

Im Nahen Osten sehen wir aktuell dagegen eher einen Rückgang. Europa ist klarer Gewinner dieser Entwicklung: Barcelona bleibt stark nachgefragt, London gewinnt trotz hoher Kosten wieder an Bedeutung, ebenso Berlin und Frankfurt. Entscheidend sind dabei vor allem gute Fluganbindungen, Stabilität und unkomplizierte Einreisebedingungen.

Wie verändert sich dadurch die Rolle von Eventagenturen?
Die strategische Beratung und Steuerung wird deutlich wichtiger. Agenturen müssen heute flexible Konzepte entwickeln, die sich regional anpassen lassen.

Früher ging es darum, ein Event möglichst überall gleich umzusetzen. Heute braucht es ein tieferes Verständnis für geopolitische Rahmenbedingungen, Risikobewertung und Zielgruppenunterschiede.

Zudem hilft uns die Entwicklung im Bereich AI stark: Zielgruppen lassen sich besser analysieren und differenzierter ansprechen. So können unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb eines Events gezielter berücksichtigt werden.

Welche Rolle spielen hybride oder digitale Komponenten in dieser neuen, stärker regional geprägten Eventwelt?
Sie sind weiterhin relevant, aber nicht mehr als Ersatz für physische Events. Der Bedarf an Live-Erlebnissen ist deutlich gestiegen.

Hybride Formate funktionieren heute eher als strategische Ergänzung. Reine digitale Teilnahme ersetzt das physische Erlebnis nicht mehr in dem Maße wie früher. Menschen entscheiden bewusster, ob ein Thema für sie relevant ist – und nehmen dann gezielt teil oder eben nicht.

Wie sollte eine zukunftsfähige internationale Eventstrategie aussehen?
Sie muss vor allem resilient und modular sein. Das heißt: anpassungsfähig an unterschiedliche regionale Anforderungen und flexibel in der Umsetzung.

Die Zukunft liegt weniger in maximaler Zentralisierung, sondern in intelligent vernetzten, regional starken Event-Ökosystemen – mit einem klaren strategischen Dach, aber viel lokaler Freiheit in der Umsetzung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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